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von Gisela & Herbert Ruffer

Der Elefant im Porzellanladen

Zu einem der größten Irrtümer zählt sicher der Gedanke: „Wenn ich gut zu anderen bin, werden die auch gut zu mir sein!“ Nach dem Sprichwort: „So wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ Aber nur weil ich ein harmloses, niedliches Kaninchen bin, das niemandem im Wald etwas zuleide tut, wird der Fuchs mir dennoch keine Karotte bringen und mit mir über die Wiese tollen, sondern mich jagen und versuchen, mich zu fressen.

Immer wieder treffen wir auf wohlwollende und großherzige Menschen, die der Annahme verfallen sind, einen anderen Menschen mit ihrer Liebe ‚gesund lieben‘ zu können. Oft handelt es sich um Frauen, die mit sanftem Blick und einer warmen Handreichung großzügig ihre Freundschaft, Nähe, Hilfsbereitschaft bis hin zu Wohnung, Geld und Liebe anbieten. So auch Marianne, 38 Jahre alt, bislang kinderlos. Im Internet lernte sie Harry kennen, 43 Jahre, zweimal unglücklich verheiratet und wieder geschieden, dem Alkohol nicht abgeneigt, in einer akuten Notlage, da er mittel- und arbeitslos war. Marianne verspürte in sich eine erbarmende Liebe zu Harry und war sogleich der Überzeugung, dass sie ihm die notwendige Geborgenheit und Stütze geben könne, durch die Harry zu einem starken Mann, künftigen Ehemann und guten Vater werden würde. So bot sie Harry an, mit ihm ihr Nest zu teilen.

Der zog gern und begeistert bei Marianne ein. Er aß von ihrem gedeckten Tisch und teilte die aufgeschüttelten Kissen mit ihr. Sie organisierte, neben ihrer Arbeit, alles für ihn. Harry musste sich ja erst mal stabilisieren. Sie half ihm bei der Bezahlung seiner noch offenen Rechnungen, denn sie hatte ja ein finanzielles Polster für schwierige Zeiten. Und er würde ja selbstverständlich alles zurückbezahlen, wenn er demnächst wieder Arbeit habe. Noch als sie ihm schon die Bierflaschen nach Hause schleppte, verteidigte Marianne ihre Liebe gegen alle Unkenrufe und eigene aufkommende Zweifel mit dem Schwur: „Ich werde es schaffen, denn meine Liebe ist größer als alle seine Probleme!“

Doch wenige Monate später schlief Marianne alleine in ihrem Bett und Harry trank vor der Glotze bis spät in die Nacht. Tagsüber benutzte er ihr Auto und sie fuhr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Als eines Tages nicht genug Alkohol im Kühlschrank war, sagte er zu ihr: „Du bist auch nicht besser als die anderen Frauen! Das hätte ich mir mit dir ersparen können.“

Wie auch immer die Geschichte vom Elefanten im Porzellanlanden erzählt wird, eine Frage bleibt zu klären: Wie kommt der überhaupt da hin? Jeder weiß doch, dass solche Dickhäuter in die freie Wildnis gehören, oder in ein Gehege, oder in den Circus, aber in einem Porzellanladen haben nichts verloren. Da richten sie nur Schaden an. Also dem Rüsseltier allein die Schuld für das Malheur zu geben, wird der Sache nicht gerecht werden. Da ist auch noch etwas anderes schief gegangen. Nur was

Also: Wenn Sie einen plumpen Elefanten in Ihrem Lebens-Porzellan herumstapfen und alles zerdeppern sehen, können Sie sich empört fragen: „Wie kann man nur so gefühllos sein.“ Sie können sich aber auch fragen: „Ist es nicht höchste Zeit, selbstbewusst Nein zu sagen?“ Und wenn es das ist, dann sollten Sie, auch wenn der Elefant wie eine Übermacht wirkt, eine Grenze setzen, wenn der Schaden nicht schlimmer werden soll.

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