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von Gisela & Herbert Ruffer

Ist es wahr, dass der Stärkere gewinnt?

Renata saß schluchzend auf der Couch neben ihrem Mann: „Ich habe mein Leben für dich geopfert und das ist nun der Dank dafür?!“ Dabei erhoffte sie sich, dass er sie in den Arm nehmen oder auf Knien um Verzeihung anflehen würde. Doch nichts dergleichen geschah. „Das habe ich nie von dir gewollt!“ entgegnete er ruhig. Dann nahm er seine Jacke und ging, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

In einem späteren Gespräch mit Gregor stellte sich heraus, dass er als Kind den folgenden Satz sehr oft zu hören bekam: „Wenn du das machst, ist die Mama ganz traurig.“ Es zerknirschte seine Seele, dass es seiner Mutter wegen ihm schlecht ging. Irgendwann konnte es nicht mehr hören.

Doch muss ein Dreijähriger wirklich Angst haben, dass sich seine Mutter oder sein Vater wegen ihm oder seines Verhaltens in den Schlaf weinen? Oder krank werden? Warum können Eltern nicht einfach Nein sagen und das auch durchsetzen, wenn zum Beispiel der Filius gerade versucht, die Fernbedienung auseinander zu nehmen oder darauf zu bestehen, dass er mit Papas Handy spielen darf? Ein klares Nein würde eine Grenze setzen und ein klares Handeln erwarten. Erziehung soll doch einem kleinen Wesen die Sicherheit in der Unterscheidung zwischen richtig und falsch, Gut und Böse nahebringen. Also ein Nein zur Fernbedienung kann maximal ein „Warum denn nicht?“ beim kleinen Sohn oder der Tochter erzeugen.

Diskussionen mit einem Dreijährigen sind auch nicht angebracht. Vielmehr sollte es darum gehen, dass man konsequent und glaubwürdig bleibt, und das heißt: sich beherzt durchsetzt. Das bedeutet, dass eine Mutter oder ein Vater zuvor wissen sollten, ob man überhaupt gewillt und in der Lage ist, seine Meinung zu behaupten. Kombiniert sich jedoch die Anweisung mit der druckmachenden Aussage, dass Mama oder Papa sonst leiden – oder gar sterben! – müssen, und das wiederkehrend in unterschiedlichen Situationen, dann bringt das eine Schieflage in die Beziehung. Oder wäre das Ziel dahinter, dass ein Kind aus Mitleid von manchen Dingen absieht? Das klingt aber irgendwie absurd, oder?

Ähnliches passiert auch in Partnerschaften oder am Arbeitsplatz. Es gibt Menschen, die sich durchsetzen können und dennoch in Überforderungssituationen einen anderen ganz selbstverständlich mit ins Boot holen. Das wäre der Idealfall. Es gibt aber auch jene Zeitgenossen, die sich alles alleine aufbürden, somit die Opferrolle übernehmen und im Gegenzug dafür die entsprechende Zuwendung und Anerkennung erwarten. Auch hier ist die dahinter liegende Motivation zwar nachvollziehbar, aber selten zielführend. Niemand möchte, dass ihm vom Partner oder Arbeitskollegen ein schlechtes Gewissen gemacht wird und dieser zusätzlich dafür noch besondere Zuwendung erhalten muss. Eigentlich logisch und dennoch passiert genau das immer wieder. Das selbsterwählte Opfer gibt dem Gegenüber das Gefühl, dass er der Täter sei. Selbst wenn der unfreiwillige Delinquent mit der Rollenverteilung nicht einverstanden ist, steht schon im Vorhinein fest: Der Schwächere gewinnt! Was passiert? Der angebliche Bösewicht zieht sich frustriert zurück und überlässt dem selbsternannten Opfer das Spielfeld. So viel zum Märchen, dass immer der Stärkere gewinnt.

Also: Wer Nein sagt, muss es auch meinen – und durchsetzen. Und wer Nein meint, muss es ebenfalls sagen – und durchsetzen.

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