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von Gisela & Herbert Ruffer

„Papa, bist Du eigentlich stolz auf mich?“

Conni, eine junge Frau, bat schnellst möglich um einen Termin in der Praxis. Pünktlich zum Termin klingelt das Telefon. Es ist ihr schrecklich peinlich, aber da waren noch Kunden ... und dann der Verkehr ... und überhaupt ... 45 Minuten später steht sie strahlend in der Tür. Sie kommt recht schnell zum Thema: „Ich will den Betrieb meines Mannes retten, der vermutlich demnächst vor der Insolvenz steht!“ Sie erzählt hastig, dass sie dafür bisher alles an Zeit und Kraft aufgeboten und sogar auf ein eigenes Gehalt verzichtet hatte. Als gute Ehefrau deckt sie natürlich auch die finanziellen Mauscheleien ihres Gatten gegenüber der Bank. Zusätzlich kümmert sie sich um die Kinder, kocht, wäscht und putzt. Ihre Herkunftsfamilie hält sie im Glauben, dass es ihnen sehr gut ginge, weil sie ihnen immer wieder stolz von ihren diversen Erfolgen erzählt. Im öffentlichen Leben gelten sie sogar als Vorzeigeehepaar und -familie. Doch seit ein paar Monaten hat sie eine Affäre, zum Ausgleich für die ganze Schufterei und ihren Verzicht. Sie begründet das damit, dass es mit ihrem Gatten schon länger nicht mehr so funktioniert wie sie sich das wünscht und haben möchte. Aber das sei ja alles überhaupt kein Problem für sie, denn das sei ja sowieso nur körperlich, und nachvollziehbar sei es ja schließlich auch. „Warum sie denn nun da sei“, fragen wir. „Eigentlich, weil meine Katze überfahren wurde und ich nun schrecklich unter dem Verlust leide,“ gab sie zur Antwort.

Manche Menschen stapeln Argumentationen und Begründungen für das eigene Fehlverhalten wie Sandsäcke gegen die Flut berechtigter Fragen. Wir lenken damit auf das Nachvollziehbare, weil sowohl unser eigenes Gehirn als auch das unserer Zuhörer immer einen Sinn fordert für das, was wir tun. Also mit den richtigen Verkaufsargumenten nach innen und außen können wir uns sowohl vor den eigenen Gewissensbissen abgrenzen, als auch vor den unangenehmen Fragen unseres Umfeldes. Der Grund hierfür: Scham vor dem Erkannt-werden.

Nun fragen Sie sich vielleicht, was eigentlich mit Conni war. Ganz einfach: Die junge Frau sehnte sich von Herzen nach der aufrichtigen Anerkennung ihres Vaters und litt zutiefst darunter, dass sich scheinbar alle Aufmerksamkeit und Zuwendung auf den großen Bruder richtete. Nachdem diese schlichte und einfache Ursache erkannt war, suchte Conni ein Gespräch mit ihrem Dad. Sie offenbarte ihm ihre ganze Not und die Angst, dass er sie weder sehen noch anerkennen würde. Schließlich nahm sie allen Mut zusammen und fragte ihn: „Papa, bist Du eigentlich stolz auf mich?“ Daraus entwickelte sich ein langes Gespräch, in dem ihr Vater seine innigen Gefühle ihr gegenüber darlegte. Nach dieser sehr emotionalen Begegnung durfte Conni erkennen, dass sie über viele Jahre einer Selbstlüge geglaubt und darauf ihr ganzes Denken, Fühlen und Handeln verdreht aufgebaut hatte. Diese neue Einsicht wirkte wie ein stabiles Fundament und gab ihr für alle weiteren Entscheidungen die entsprechende Stabilität.

Also: Um in gute Beziehungen eintreten zu können, ist es mitunter unerlässlich, sich seiner wahren Not bewusst zu werden und zu fadenscheinigen Argumenten und Begründungen Nein zu sagen. Dann kann man sich unverstellt und ohne Scham zu erkennen geben und unsere Mitmenschen können auf unser wahres Ich eingehen. Es ist ein Wagnis, aber eines, das sich lohnen kann und wird.

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