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von Gisela & Herbert Ruffer

Subtile Grenzverletzungen

Zu vielfältig und unterschiedlich können Grenzüberschreitungen in ihren Formen auftreten. Da gibt es beispielsweise Situationen, in denen man es mit unsichtbaren oder unscharfen Grenzen zu tun bekommt. Plötzlich merkt man: „Uuups, jetzt bin ich dir wohl zu nahegetreten. Bitte verzeih’ mir, das wollte ich nicht.“ Hätte man ahnen können, dass da eine Grenze ist, hätte man sich wohl anders verhalten.

In einer zwanglosen Atmosphäre unter Freunden kann es durchaus passieren, dass einer schon mal über die Stränge schlägt, und derbe Scherze macht. Meistens ist das ganz lustig und gar nicht so schlimm, denn man kennt sich ja schon lange und auch gut genug, um zu wissen, dass das nicht böse gemeint war. Und wenn dann plötzlich einer sagt: „Das ist nicht lustig!“ dann weiß man, dass man übers Ziel hinausgeschossen ist und eine Grenze überschritten hat. In so einer Situation kann man sich nur aufrichtig entschuldigen. Sonst nichts. Und das wird es dann meist auch gewesen sein.

Ähnliches kann einem auch im Ausland passieren, dass man ungewollt eine unbekannte oder unbewusste Grenze überschreitet. Insbesondere unterschiedliche kulturelle Gepflogenheiten können einen unversehens in unangenehme oder peinliche Situationen bringen.

Es gibt ganz schlimme Grenzverletzungen, wenn etwa ein gewaltsames Eindringen in den persönlichen Schutzbereich geschieht. Einer unserer Freunde musste erleben, wie in seinem Wohnhaus Feuer gelegt und seine Familie dadurch in Lebensgefahr gebracht wurde.

Sexuelle Übergriffe und häusliche Gewalt an Ehefrauen und Kindern stellen unbestritten äußerst dramatische Grenzüberschreitungen dar, unter denen die Opfer meist ein Leben lang zu leiden haben.

Aber es gibt auch zahllose kleinere, feinere und subtile Grenzverletzungen. Da ist zum Beispiel die kleine Prinzessin, die so sehr möchte, dass Papa stolz auf sie ist, sie auf den Arm nimmt und sie beschützt. Dafür ist sie fleißig in der Schule, hilft im Haushalt, spielt das Musikinstrument, das Papa gekauft hat und erlernt dessen Beruf bzw. studiert das, womit sie Papa glücklich machen kann. Auch wenn das kleine Mädchen später schon lange erwachsen ist, erwartet sie immer noch das Lob und die Zuwendung des ‚ersten Mannes’ in ihrem Leben: Papa. Wenn es dann nicht gelingt, dass ein neuer Mann in ihr Leben tritt und sie sich von der unbedingten Zuwendung ihres Vaters lösen kann, wird das unweigerlich zu Problemen in der Partnerschaft führen. Wer hat das Sagen? Papa oder der Mann an ihrer Seite? Oft geraten Frauen dabei in einen schrecklichen Zwiespalt zwischen der Liebe und Loyalität zu ihren Vätern und der Zugehörigkeit zu ihren Lebenspartnern. Diese Spannungszustände können Ängste und Depressionen heraufbeschwören. Die aufkeimende Wut gegen den Vater und dessen Ansprüche werden schöngeredet und der damit verbundene Druck zur Veränderung endet mit Selbstvorwürfen. Wie wir uns beschwichtigen, das haben wir schon früh in unserer Kindheit gelernt.

Also: Abgrenzen tut not. Sich emotional lösen tut not. Selbstbewusst werden tut not. Und ein klares Nein sprechen tut not. Das Wort notwendig beschreibt die Idee, eine Not zu wenden. Selbstbewusst Nein sagen ist not-wendig.

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